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Groß war die Freude, als ich am
10. Oktober 2009 positiv getestet habe... doch es kam anders, als wir
erwartet hatten...
In der Nacht von Montag,
18.01.2010 auf Dienstag, 19.01.2010 bekam ich Wehen, morgens um 4.30 Uhr leichte Blutungen. Wir sind sofort ins KH gefahren...
Man sagte mir, ich habe eine bakterielle Infektion, werde mit Antibiotika
behandelt und es gibt Hoffnung, die Geburt zu stoppen. Das AB bekam ich über die Vene und als es durchgelaufen war platzte mir am Dienstag vormittag die Fruchtblase...
Der Blasensprung ist sehr groß, es gab aber eine Mini-Wahrscheinlichkeit, dass er sich verklebt, das
Fruchtwasser sich neu bildet und die Schwangerschaft fortgesetzt werden kann. Mittwoch morgen dann das Vernichtende... meine Blutwerte haben sich rasant verschlechtert - ich habe eine aggressive Streptokokken-Infektion und die Keime haben bereits die Gebärmutter angegriffen - die Geburt muss sofort eingeleitet werden, um mein Leben zu schützen...
Und dann wurde Jonathan Marcell geboren, am
Mittwoch, 20.01.2010 um 13.45 Uhr, mit 205 g. und 23 cm Länge... still... er starb
bei der Geburt, hätte so oder so keine Chance zu leben gehabt...
Jonathan wurde mir wie jedes andere Baby vorsichtig in einem Tuch in die Arme gelegt, ich durfte mich ein paar Minuten verabschieden, bevor ich in den OP musste - dort wurde dann das Ausmaß der Infektion festgestellt - ich wurde über eine Stunde operiert, habe sehr sehr viel Blut verloren...
Zurück auf Station wurde uns Jonathan gebracht - er lag wunderschön eingebettet in einem gehäkelten kleinen Körbchen, trug ein Frühchen-Hemdchen und sogar eine kleine Windel... wir durften uns
2 Tage und 2 Nächte von ihm verabschieden...
Da meine Werte sich verbessert haben und ich wieder vollständig gesund werde, wurde ich
am Freitag mittag entlassen - ohne Baby und völlig leer...
Im KH wurde ich sehr liebevoll betreut - dort hat man uns aufgefangen und uns trauern lassen, dafür sind wir sehr dankbar.
Auch wenn es für manche befremdlich sein mag, ich bin sehr dankbar für die
Zeit, die wir mit Jonathan verbringen durften - diese Erinnerung nimmt uns niemand
mehr, es ist die einzige - neben den sanften Tritten in meinem Bauch - die
uns von unserem Sohn bleibt.
Jonathan wurde auch gesegnet und zusammen mit einigen anderen Sternenkindern
am 27. Februar 2010 in einem speziellen
"Grab der totgeborenen Kinder" mit einer Andacht beerdigt. Dazu wurden wir
herzlich eingeladen und durften uns endgültig von ihm verabschieden. Das Grab wird von der Stadt Rosenheim zur Verfügung gestellt und vom Klinikum
Rosenheim gepflegt, es ist sehr schön, mit vielen vielen Steinen und Engeln und Windmühlen und Laternen und Kerzen...
Wir haben uns nach längerem Hin und Her und viel Reden mit der Seelsorgerin dazu entschlossen, Emilia ihren Bruder zu zeigen - und wir haben es nicht bereut. Sie kann jetzt erst richtig begreifen, was eigentlich los ist und warum ihre Mama soviel weint, sie ging ohne Scheu an Jonathan ran und hat mit ihm geredet und ihm erzählt, was sie alles mit ihm gespielt und geteilt hätte und dass sie sich wünscht, dass er mit ihr spielt und nicht mit den Sternenkindern. Sie redet auch im Kindergarten darüber und wird dort sehr gut betreut und unterstützt. Wie es in der nächsten Zeit ist müssen wir noch sehen, aber es ist für uns alle nicht leicht zur Zeit.
Es tut uns sehr gut, auch über Jonathan reden zu können... auch wenn er in der 20. SSW keine Chance gehabt hat, so habe ich doch eine normale Geburt durchgemacht, mit den Schmerzen und den Wehen. Ich habe unseren Sohn zur Welt gebracht, auch wenn wir ihn nicht behalten durften, und es ist unser Kind... ihn verschweigen zu müssen wäre einfach nur grausam.
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